Geführter Weidetrieb

Geführter Weidetrieb

Die Ausgangslage

In einem anderen Beitrag wurde bereits das Thema der Weidehaltung in Form von Diätweiden kritisch betrachtet (Rundbrief 2/2018). An dieser Stelle soll die Weidehaltung im Allgemeinen betrachtet werden.

 

Grundsätzliches Zur Weidehaltung von Pferden

Die Weidehaltung von Pferden stellt sowohl das physiologisch artgerechteste (und natürlichste) Haltungssystem dar, als auch hohe Anforderungen an ihre Umsetzung. Pferde haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten und eine Haltung in Gruppen ist grundsätzlich zu empfehlen. So heißt es dazu in den Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten, dass „soziale Kontakte zu Artgenossen unerlässlich sind.“ Des Bewegungsverhalten von Pferden erfolgt im Sozialverband. Generell ist die Futteraufnahme von Pferden selektiv! Ein hoher Bewegungsdrang, gekennzeichnet durch mehrstündiges Laufen (im Schritttempo) ist zur Futteraufnahme üblich. Ungräser werden gemieden. Pferde sind an mäßige und kontinuierliche Aufnahmen von Grundfutter angepasst. (Fritz, 2013). Beim Absetzen von Kot bilden sich sog. Geilstellen, die weitläufig gemieden werden. Zugleich ist der Verbiss bei Pferden verhältnismäßig tief. Der kurze Verbiss kann dabei auch zu weitreichenden metabolischen Ausfallerscheinungen führen. So haben SELDAL et al. (1994) einen Zusammenhang zwischen Beweidungsintensität und Abwehrmechanismen (Trypsin-Inhibitoren) von Gräsern festgestellt. In Zusammenhang mit dem Bewegungsdrang der Tiere ergibt sich eine hohe Belastung der Grasnarbe insgesamt.

 

Die Anforderungen der Pferderassen

Pferderassen werden in Nord- und Südtyp unterschieden, die unterschiedliche Fresszeiten haben. Aufgrund unterschiedlicher physiologischer Ausstattung, wie der Gebissarchitektur, sind hier auch unterschiedliche Ansprüche an den Fasergehalt der Nahrung zu berücksichtigen. Dies sollte bei jedweder Zusammenstellung von Pferdeverbänden beachtet werden. Aufgrund ihrer Physiologie, die an andere Stelle bereits eingehend erläutert wurde, sollten Fresspausen von mehr als 6 Stunden zur Deckung des Erhaltungsbedarfes vermieden werden. „Darüber hinaus wird man bei der Beobachtung seiner Pferde feststellen, dass es auch individuelle Unterschiede bei den Fressgewohnheiten gibt.“, gibt Helge Bernotat zu bedenken. Eine aufmerksame Beobachtung der eigenen Tiere sei an dieser Stelle angeraten.

Das Grünland

Die hiesigen Grünlandbestände sind oftmals durch Hochleistungsgräser geprägt und entsprechen den Erfordernissen von Pferden nur bedingt. Weidelgras betonte Rationen zeichnen sich durch hohe Energiegehalte und v.a. hohe Anteile leicht verdaulicher Kohlenhydrate (wie Fruktan) aus. Besonders Deutsches und Welsches Weidelgras weisen traditionell hohe Fruktangehalte auf. Geeignetere Sorten für Pferde wären beispielsweise Wiesenfuchsschwanz und Wiesenlieschgras (VON BORSTEL und GRÄßLER, 2002). Bei der Bestandszusammensetzung von Pferdeweiden ist jedoch die Trittfestigkeit der Grasnarbe zu berücksichtigen, um die Grasnarbe nicht dauerhaft zu schädigen (Artikel auf AG FUKO Webseite: Überweidung schadet Grünland und Pferd). Eine trittfeste Narbe kann in erster Linie durch einen hohen Untergrasanteil realisiert werden (nach Gerd Lange, Landwirtschaftskammer Niedersachsen). Dazu zählen u.A. das deutsche Weidelgras, Wiesenrispe und Rotschwingel. Gerade die Weidelgräser zeigen frohwüchsig und begünstigen eine trittfeste Narbensituation. Ein sinnvoller Kompromiss lässt sich hier nur einzelbetrieblich ermitteln. Außerdem: Ein intaktes Grünland verunkrautet nicht (Beitrag dazu im 1. Rundbrief der AG FUKO, 2016 und Webseiten-Artikel: Jakobs-Greiskraut - Die gelbe Gefahr auf dem Grünland).

 

Die Wahl des richtigen Weidesystems

Im Wesentlichen lässt sich die Weidehaltung bei Pferden in zwei Kategorien einteilen. Die Standweide und die Umtriebs-/ oder Portionsweiden. Beide Weidesysteme sind dabei in vielen Abstufungen und individueller Modulation gestaltbar und haben spezifische Vor- und Nachteile, auf die im Folgenden kurz eingegangen werden soll.

Bei beiden Weidesystemen gilt es, die Besatzdichte (Tiere gleichzeitig auf der Fläche) und die Besatzstärke (Tiere über die gesamte Beweidungsdauer auf der Fläche) an Zustand und Größe der Weidefläche anzupassen. Dabei sind neben den genannten tierbedingten Faktoren auch botanische Merkmale, wie die Bestandszusammensetzung, die Vegetationsperiode und den Eindruck des Aufwuchses zu beachten. Pflege- und Düngemaßnahmen sind bei der Umtriebs-/Portionsweide auch während der Weidesaison durchführbar, wobei Geilstellen, Unkrautnester, Narbenschäden und überständige Gräser nebst den Maßnahmen zur Weidehygiene zeitnah auszuführen sind. Sollte der Pflegeschnitt zur Heuwerbung dienen ist zuvor unbedingt die hygienische Situation der Weide zu beurteilen. Besonders sei an dieser Stelle vor einer Belastung durch Nematoden gewarnt! Mit Voranschreiten der Vegetationsperiode ist eine sukzessive Reduzierung der Besatzdichte und/oder eine Begrenzung der Weidezeit einschließlich der Zufütterung bei beiden Weidesystemen empfohlen. Bei der Beweidung oder Mahd haben sich Schnitthöhen über 5 cm bewährt. Dies fördert den Wiederaustrieb, schont eingelagerte Reservestoffe und erhält die Konkurrenzkraft und Winterfestigkeit des Grünlandes. Die Versorgungsempfehlungen für den Energie- und Nährstoffgehalt von Pferden entsprechen bei der Weidehaltung den üblichen Anforderungen. Es ist zu beachten, dass bei der Weidehaltung naturgemäße Versorgungslücken entstehen können. Diesen kann bei aufmerksamer Beobachtung jedoch mit Zufütterung begegnet werden. Eine Versorgungslücke kann beispielsweise in der Mineralstoffversorgung auftreten. In Weiderationen sind Natrium und Selen oftmals begrenzende Faktoren (LAVES, 1999). Für eine grundsätzliche Einschätzung der Versorgungssituation des Tieres bietet sich beispielsweise eine Konditionsbeurteilung (nach Meyer, 1995) an.

 

 

Standweide

Umtriebs-/Portionsweide

Beschreibung

Nutzung saisonal ganztägig

In Koppeln unterteilte Weide

Futterertrag

Ausreichend ()

hoch

„kurze Fresszeiten, lange Ruhezeiten“

Bewegungsmöglichkeit

Optimal

Gering

Aufwand für Fütterung

Gering

Hoch

Aufwand für Grünlandpflege

Sehr hoch

Mittel

Futterqualität

Schwankungen gering

Schwankungen vorhanden

empfohlene Besatzdichte (Tiere/ha)

2-4

> 10

 

Innerhalb der Weidesysteme stellt die Kurzrasenweide, oder Diätweide nur eine Unterkategorie der Beweidungssysteme dar. Die Risiken wurden an anderer Stelle ausführlich erläutert.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Möglichkeit der gemeinsamen Beweidung von Rindern und Pferden auf einer Fläche. Einen spannenden Artikel dazu sowie einen Weideplaner finden Sie bei den Kollegen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen unter:

https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/tierproduktion/pferdehaltung/betrieb/pferde-rinder.htm

Fazit

Grundsätzlich hängt die Entscheidung des passenden Weidesystems, wie vorhergehend erläutert, von vielen betriebsindividuellen Faktoren ab. Dennoch lassen sich einige Empfehlungen aussprechen (LAVES, 1999)

  1. Überweidung vermeiden
  2. Absammeln von Kot, um die Bildung von Geilstellen zu vermeiden
  3. Mähschnitt (max. 5 cm). Geilstellen ↓; Ertragspotential ↑; aber: Fruktananreicherung ↑
  4. Grünlandpflege: Abschleppen, Walzen, Striegeln (Artikel: Pferdeweiden richtig an den Saisonstart bringen
  5. Nachsaat: Entstandene Lücken schließen
  6. Gemäßigte Düngung: Ertragspotential ↑, Nivellierung Zucker und Eiweißgehalte, Narbenschluss, indirekte Herbizidwirkung

Mit diesen Maßnahmen ist bereits der Grundstein für eine tiergerechtes Weidemanagement gelegt. Im Vergleich beider Weidesysteme ermöglicht die Umtriebsweide flexiblere Handhabung der einzubringenden Arbeitsleistung. Auch aus fütterungstechnischer Sicht bietet diese ideale Voraussetzungen, auch um am Bedarf orientierte weitergehende Modifikationen durchzuführen. Grundlegend sei an dieser Stelle noch einmal auf das Problem der Kurzweide verwiesen. Ein tiefer Verbiss erhöht die Aufnahme stängelbasis-assoziierter Fruktane, schränkt die Regenerationsfähigkeit ein und kann Abwehrmechanismen der Gräser begünstigen. Mit fortschreitender Nutzung durch die Pferde ist zu beobachten, dass deren Selektionsverhalten auch dazu führt, dass Weideanteile überständig werden und dann verstärkt die nachwachsenden Triebe bevorzugen. Die Standweide ist dabei besonders anfällig für diese Entwicklung. In beiden Systemen empfiehlt sich eine ganzjährige Zufütterung von Heu: Staunässe oder Trockenheit können es empfehlenswert machen, die Weide auch während der Saison zu räumen. Durch die Zufütterung werden dabei die Auswirkungen einer Futterumstellung vermieden. Erfahrungsgemäß greifen die Pferde auch auf der Weide auf das Heu zu. Die Sättigung wird erhöht.

Grundsätzlich sind Grünlandbestände jedoch durch Heterogenität gekennzeichnet. Eine Untersuchung der Nährstoff- und Mineralstoffgehalte gibt hier Sicherheit. Die Bedarfsbewertung des Pferdes findet als Grundlage einer angepassten Versorgung in der Praxis noch zu selten Berücksichtigung. Auch offizielle Stellen raten zu einer strukturierteren Vorgehensweise. Nähere Informationen finden Sie bei unseren Kollegen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen:

Die wichtigste Grundlage für eine bedarfsgerechte Fütterung bildet die Grundfutteruntersuchung!

Abbildung 1: Schematische Darstellung eines Weidesystems. Umtriebsweiden 1-7 mit zentralem Paddock mit Wasserversorgung (W) und Heuraufe (R)

 

Quellen

 

Fritz, C. (2013) 

Pferde fit füttern: Wie ich mein Pferd artgerecht ernähre. Cadmos Verlag.

 

VON BORSTEL, U. u. J. GRÄßLER (2002):

Untersuchungen zur Kennzeichnung der Fructangehalte verschiedener Gräserarten. Landwirtschaftskammer Hannover, AG Futterbau und Futterkonservierung e.V.

 

Niedersächisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (1999)

Abgerufen am 09.12.2018 unter:

https://www.laves.niedersachsen.de/service/publikationen/broschueren-und-informationsmaterial-des-tierschutzdienstes-73842.html

 

Landwirtschaftskammer NRW (2015):

Planung der Weidenutzung. Abgerufen am 09.12.2018 unter:

https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/ackerbau/gruenland/planung-weidenutzung-pdf.pdf

 

SELDAL, T., ANDERSEN, K. J., & HÖGSTEDT, G. (1994):

Grazing-induced proteinase inhibitors: a possible cause for lemming population cycles. Oikos, 3-11.

Meyer (1995)

Pferdefütterung. 3. Aufl. Blackwell Wissenschafts-Verlag, Berlin